Bester Ersatzschlauch fürs Bikepacking: TPU oder Butyl?

Ein Ersatzschlauch gehört für mich auch dann auf die Bikepacking Packliste, wenn du tubeless fährst. Eigentlich sogar gerade dann!

Tubeless ist auf Gravel und beim Bikepacking für mich die beste Grundlage. Kleine Löcher werden automatisch abgedichtet, du kannst mit weniger Druck fahren und hast mehr Komfort und Grip. Aber wenn ein Schnitt zu groß ist, die Dichtmilch versagt, das Ventil Probleme macht oder der Reifen nicht mehr sauber abdichtet, brauchst du einen Plan B.

Und dieser Plan B ist ein Ersatzschlauch. Aber welcher Schlauch? Klassischer Butylschlauch oder ultraleichter TPU Schlauch?

Meine persönliche Antwort ist ziemlich klar: TPU nehme ich für Rennen, Ultracycling und minimalistische Setups. Für normales Bikepacking oder längere Reisen würde ich meistens einen klassischen Butylschlauch einpacken.

Einsatzzweck Empfehlung Warum Produkt
Normales Bikepacking mit 28 bis 47 mm Reifen Schwalbe SV17 SV 60 mm Klassischer Butylschlauch, robust, günstig und passend für viele 700C Gravelreifen. Zum Produkt
Rennen und minimalistisches Setup Tubolito Tubo CX/Gravel Sehr leicht und kompakt. Super als Notreserve, aber weniger meine Wahl für normales Bikepacking. Zum Produkt
Lange Radreise Zwei Butylschläuche plus klassisches Flickzeug Mehr Robustheit und bessere Reparierbarkeit, wenn du mehrere Tage weiterfahren musst. Zum Produkt
Tubeless Gravel Setup Ein Butylschlauch plus Tubeless Plugs Tubeless bleibt die Basis, der Schlauch ist die Notlösung für größere Schäden. Zum Produkt
Reparatur unterwegs REMA Flickzeug Klassische Vulkanisierlösung hält zuverlässiger als selbstklebende Flicken. Zum Produkt
Backup für Gewichtsfreaks Ein Butylschlauch plus ein TPU Schlauch Butyl als robuste Hauptreserve, TPU als zweite ultraleichte Notlösung. Zum Produkt

Warum du trotz Tubeless einen Ersatzschlauch brauchst

Kleine Einstiche durch Dornen, Draht oder kleine Steinchen dichtet ein gutes System oft problemlos ab. Bei größeren Schnitten, beschädigter Reifenflanke, schlecht sitzendem Reifen, eingetrockneter Dichtmilch oder falscher Kombination aus Reifen und Milch kann es aber trotzdem vorbei sein.

Dann stehst du irgendwo im Wald, am Alpenpass oder auf einer Landstraße und brauchst eine Lösung, die immer funktioniert. Ein Ersatzschlauch ist genau diese Lösung.

Ich würde deshalb immer mindestens einen Ersatzschlauch mitnehmen. Bei längeren Touren oder sehr abgelegenen Regionen besser mindestens zwei. Und zusätzlich Flickzeug.

TPU Schläuche: super klein, super leicht, aber nicht immer langlebig

TPU Schläuche sind klein kompakt und für ultraleichte Race Setups bestens geeignet. Aber die Zuverlässigkeit ist auf die Zeit ein Problem

TPU Schläuche sind für Bikepacking auf den ersten Blick perfekt. Sie sind deutlich kleiner, leichter und kompakter als klassische Butylschläuche. Genau deshalb nehme ich sie gerne bei Rennen oder sehr minimalistischen Touren mit.

Wenn es darum geht, möglichst wenig Gewicht und Packmaß mitzunehmen, ist TPU fast unschlagbar. Ein Tubolito CX/Gravel liegt je nach Variante bei etwa 60 g und ist für Reifenbreiten von 32 bis 50 mm ausgelegt. Das ist für Gravel ziemlich interessant und deutlich leichter als ein normaler Butylschlauch. Manche TPU Race Varianten wiegen sogar nur 30g sind aber pannenanfälliger.

Der Nachteil: Viele TPU Schläuche sind in der Praxis nicht so langlebig wie klassische Butylschläuche. Sie sind empfindlicher bei Montagefehlern, mögen manche Flicken oder Dichtmittelreste nicht immer gleich gut und sind unterwegs manchmal zickiger. Wenn du den Schlauch nur als Notfallreserve einpackst und hoffst, ihn nie zu brauchen, kann TPU trotzdem perfekt sein. Wenn du aber mehrere Tage mit Schlauch weiterfahren musst, hätte ich mehr Vertrauen in Butyl. Gerade die Ventile machen bei TPU Konstruktionen oft Probleme.

Deshalb meine Einordnung: TPU als ultraleichte Notreserve. Butyl als robuste Bikepacking Lösung.

Butylschläuche: schwerer, größer, aber verlässlicher

Butylschläuche sind groß, schwer aber robust und sehr zuverlässig und langlebig

Ein klassischer Butylschlauch ist größer, schwerer und nimmt mehr Platz weg. Dafür ist er unkompliziert, günstig, robust und fast überall erhältlich. Für normales Bikepacking finde ich genau das wichtiger. Wenn ich auf Tour wirklich einen Schlauch einbauen muss, dann will ich ein Teil, dem ich vertraue. Ich will nicht bei der Montage Angst haben, dass ich den Schlauch sofort beschädige. Ich will ihn im Notfall auch mit klassischem Flickzeug reparieren können. Und ich will zur Not in irgendeinem Radladen Ersatz bekommen. Ein Continental Cross oder Schwalbe SV17 ist dafür ein typischer Standardkandidat für die meisten Gravel Setups.

Latex-Schläuche:

Neben TPU und Butyl gibt es auch noch Latex Schläuche. Diese sind ebenfalls klein und kompakt und zeichnen sich durch einen extrem niedrigen Rollwiderstand aus. Teilweise besser als Tubelesssysteme oder TPU Modelle. Aber sie sind sehr empfindlich und verlieren schnell Luft. Teilweise muss man bereits nach 24h nachpumpen. Daher sind Sie eher Bereich des Zeitfahrens auf dem Velodrome verbreitet, aber fürs Bikepacking ungeeignet.

Welche Schlauchgröße brauche ich bei Gravelreifen?

Die Größenangaben bei Fahrradschläuchen wirken am Anfang komplett unnötig kompliziert. 28 Zoll, 700C, 622, 40 mm, 28/47-622, SV 60 mm…

Eigentlich ist es aber gar nicht so schwer.

Die wichtigste Zahl ist bei modernen Gravelbikes meistens 622. Das ist der Felgendurchmesser nach ETRTO. Ein klassisches 28 Zoll Laufrad beziehungsweise 700C Laufrad hat in der Regel 622 mm Felgendurchmesser. Die zahlen 622, 700C oder 28” beschreiben also alle exakt denselben Felgendurchmesser, bloß in unterschiedlichen Maßsystemen.

Wenn du also einen typischen Gravelreifen in 700 x 40C fährst, dann bedeutet das vereinfacht: 700C Laufrad, ungefähr 40 mm Reifenbreite. Auf dem Reifen steht oft zusätzlich etwas wie 40-622. Das ist die genauere ETRTO Angabe.

Beim Schlauch suchst du dann einen Bereich, in den deine Reifenbreite hineinpasst. Ein Schlauch mit 28/47-622 passt zum Beispiel für Reifen von 28 bis 47 mm Breite auf 622er Felgen. Ein 40 mm Gravelreifen liegt genau in diesem Bereich. Deshalb passt so ein Schlauch.

Ein Beispiel:

Du fährst einen Gravelreifen in 700 × 45C oder 45-622. Dann suchst du einen Schlauch für 700C, 28 Zoll oder 622 mit einem Breitenbereich, der 45 mm einschließt. Also zum Beispiel 28/47-622 oder 32/47-622. Das klingt kompliziert, ist aber im Grunde nur ein Bereich.

Warum meistens SV und 60 mm Ventillänge?

Bei Gravelbikes ist fast immer ein Sclaverandventil verbaut. Das wird auch Presta oder französisches Ventil genannt. Auf vielen Schläuchen steht dafür SV.

Die Ventillänge ist der nächste Punkt. Bei flachen Felgen reichen oft 42 mm. Bei etwas höheren Gravel oder Aero Laufrädern wird das knapp. Deshalb würde ich für Bikepacking meistens 60 mm nehmen. Das passt an deutlich mehr Laufräder und ist im Notfall flexibler.

Ein 60 mm Ventil ist bei vielen Gravel Setups einfach der sicherere Griff. Es wiegt kaum mehr, steht etwas weiter raus und lässt sich unterwegs leichter aufpumpen. Wenn du sehr hohe Felgen fährst, brauchst du eventuell noch länger oder eine Ventilverlängerung.

Für die meisten modernen Gravelbikes mit 40 bis 45 mm Reifen ist also ein Schlauch wie dieser logisch:

28/47-622, 700C, SV, 60 mm

oder

32-47 x 622, SV, 60 mm

Damit deckst du typische Gravelreifen von etwa 32 bis 47 mm ab.

Typische Beispiele für Gravel Ersatzschläuche

Für normale Gravelreifen zwischen 35 und 45 mm würde ich diese Richtung nehmen:

Schwalbe SV17 60 mm
Guter Standard Butylschlauch für 28 Zoll beziehungsweise 700C Reifen. Passt typischerweise für 28 bis 47 mm Reifenbreite auf 622er Felgen. Für viele Gravelbikes mit 40 mm Reifen sehr passend.

Continental Cross 28 SV 60 mm
Ebenfalls sinnvoll für breite 28 Zoll Reifen. Der Bereich 32 bis 47 mm passt sehr gut zu typischen Gravelreifen. Wenn du 40 oder 45 mm Reifen fährst, bist du damit ziemlich sicher.

Tubolito Tubo CX/Gravel 60 mm
Spannend, wenn du minimalistisch unterwegs bist und Packmaß sowie Gewicht sparen willst. Passt laut Hersteller für 32 bis 50 mm Reifen und wiegt rund 60 g. Für Rennen und schnelle Setups sehr praktisch. Für normales Bikepacking würde ich trotzdem eher Butyl nehmen, weil nach längerer Zeit die Ventile undicht werden können.

Tubolito S-Tubo CX/Gravel
Noch mehr auf kleines Packmaß und geringes Gewicht ausgelegt. Super als Notreserve, aber aus meiner Sicht eher für Minimalisten und Rennen als für robuste Radreise Nutzung.

Flickzeug: klassisch ist besser als selbstklebend

Ein Ersatzschlauch ist gut. Flickzeug ist besser.

Ich würde immer klassisches Flickzeug mit Vulkanisierlösung mitnehmen. Also diese kleinen Sets mit Schleifpapier, Gummilösung und Flicken. Das ist altmodisch, aber es funktioniert einfach am zuverlässigsten. Selbstklebende Flicken sind praktisch und schnell. Für einen kurzen Notfall können sie funktionieren. Aber Sie gehen mit der Zeit häufiger wieder ab und halten nicht so zuverlässig wie sauber verklebte klassische Flicken.

Beim klassischen Flickzeug wird der Schlauch angeraut, die Vulkanisierlösung aufgetragen, kurz abgelüftet und dann der Flicken fest aufgedrückt. Wenn das sauber gemacht wird, hält das sehr lange. Für Bikepacking würde ich also nicht nur auf selbstklebende Mini-Flicken setzen.

Was ist mit Tubeless Reparatursets?

Wenn du tubeless fährst, gehört zusätzlich ein Tubeless Reparaturset mit Würstchen oder Plug in die Tasche. Dynaplugs funktionieren aber noch besser. Das ersetzt dennoch keinen Ersatzschlauch.

Kleine Löcher macht die Dichtmilch. Mittlere Löcher schafft sehr gute Dichtmilch manchmal auch noch, aber spätestens mit einem Dynaplug bekommst du sie dicht. Große Schnitte, beschädigte Reifenflanken oder Probleme am Ventil können trotzdem einen Schlauch nötig machen.

Ich würde deshalb so packen:

Tubeless Setup mit guter Dichtmilch.
Tubeless Dynaplugs für größere Löcher.
Ein klassischer Butyl Ersatzschlauch.
Klassisches Flickzeug.
Eventuell ein TPU Schlauch als zweite ultraleichte Reserve.

Das klingt nach viel, ist aber in der Praxis ziemlich kompakt und kann dir die Tour retten.

Wichtig ist auch: Tubeless funktioniert nur richtig, wenn Reifen, Felge, Felgenband, Ventil und Dichtmilch zusammenpassen. Die Dichtmilch muss zur Gummimischung, zum Druckbereich und zum Einsatzzweck passen.

Wie viele Ersatzschläuche braucht man beim Bikepacking?

Für kurze Touren reicht meistens ein Ersatzschlauch, wenn du Tubeless fährst. Zusätzliche Plugs sind ebenfalls sinnvoll. Fall du nicht Tubeless fährst würde ich lieber zwei Schläuche einpacken. Wenn es abgelegen wird, würde ich immer zwei Schläuche einpacken. Einer davon kann ein TPU Schlauch sein, wenn du Gewicht sparen willst.

Für Rennen oder Ultracycling nehme ich nur TPU, weil dort Gewicht und Packmaß sehr wichtig sind. Für normales Bikepacking würde ich den robusteren Butylschlauch bevorzugen.

Typische Fehlkäufe bei Ersatzschläuchen fürs Bikepacking

Der erste Fehlkauf ist die falsche Größe. Wenn du 40 mm Gravelreifen fährst, bringt dir ein schmaler Rennradschlauch für 18 bis 25 mm Reifen nichts. Schau auf die ETRTO Angabe und achte darauf, dass deine Reifenbreite im Bereich des Schlauchs liegt.

Der zweite Fehler ist ein zu kurzes Ventil. Mit 42 mm kann es funktionieren, aber bei höheren Felgen wird es schnell knapp. 60 mm ist für Gravel oft die entspanntere Wahl.

Nur einen einzigen TPU Schlauch als einzige Reserve auf eine lange Tour mitzunehmen ist wein weiterer Fehler. Das ist zu riskant kalkuliert, außerdem würde ich Butyl meistens mehr vertrauen.

Der vierte Fehler ist nur selbstklebendes Flickzeug dabei zu haben. Das ist bequem, aber nicht meine erste Wahl für langfristige Reparaturen.

Und verlasse dich nicht auf Tubeless! Ich bin damit zwar schon seit fast zwei Jahren pannenfrei unterwegs, aber es kann immer was passieren. Tubeless ist stark, aber wenn es schiefgeht, brauchst du trotzdem eine mechanische Notlösung.

Einsatzzweck Empfehlung Warum Produkt
Normales Bikepacking mit 28 bis 47 mm Reifen Schwalbe SV17 SV 60 mm Klassischer Butylschlauch, robust, günstig und passend für viele 700C Gravelreifen. Zum Produkt
Rennen und minimalistisches Setup Tubolito Tubo CX/Gravel Sehr leicht und kompakt. Super als Notreserve, aber weniger meine Wahl für normales Bikepacking. Zum Produkt
Lange Radreise Zwei Butylschläuche plus klassisches Flickzeug Mehr Robustheit und bessere Reparierbarkeit, wenn du mehrere Tage weiterfahren musst. Zum Produkt
Tubeless Gravel Setup Ein Butylschlauch plus Tubeless Plugs Tubeless bleibt die Basis, der Schlauch ist die Notlösung für größere Schäden. Zum Produkt
Reparatur unterwegs REMA Flickzeug Klassische Vulkanisierlösung hält zuverlässiger als selbstklebende Flicken. Zum Produkt
Backup für Gewichtsfreaks Ein Butylschlauch plus ein TPU Schlauch Butyl als robuste Hauptreserve, TPU als zweite ultraleichte Notlösung. Zum Produkt

Meine persönliche Empfehlung

Ich würde beim Bikepacking tubeless fahren und trotzdem immer einen Ersatzschlauch einpacken. Für normale Touren wäre das bei typischen Gravelreifen meistens ein klassischer Butylschlauch wie Schwalbe SV17 oder Continental Cross 28 mit SV Ventil in 60 mm.

TPU ist für Rennen, Ultracycling und sehr minimalistische Setups super. Klein, leicht, praktisch. Aber für normales Bikepacking vertraue ich Butyl mehr. Wenn ich den Schlauch wirklich einbauen muss, will ich damit notfalls mehrere Tage weiterfahren können.

Dazu gehört für mich klassisches Flickzeug mit Vulkanisierlösung. Selbstklebende Flicken sind okay als schnelle Notlösung, aber wenn es wirklich halten soll, nehme ich lieber die klassische Variante.

Kurz gesagt: Tubeless als Basis. Butylschlauch als Rettung. TPU nur, wenn Gewicht und Packmaß wichtiger sind als Robustheit. Und bei 40 mm Gravelreifen meistens einfach nach 28/47-622 oder 32/47-622, 700C, SV 60 mm suchen. Dann bist du in den meisten Fällen richtig unterwegs.

Patrick Zasada

Patrick Zasada ist Autor & Content Creator im Bereich Gravel, Bikepacking und Ultracycling. Er baut Gravel Apps und veröffentlicht Erfahrungsberichte, Ausrüstungstests, Tourenwissen und Trainingsinhalte aus eigener Praxis. Seine Inhalte entstehen vor allem auf mehrtägigen Bikepacking Abenteuern. Patrick teilt praxisnahe Erfahrungen aus Langstreckenfahrten, Radreisen und Bikepacking-Projekten und konzentriert sich dabei besonders auf Ausrüstung, Vorbereitung und effizientes sportwissenschaftliches Training. Seine Inhalte richten sich an Fahrerinnen und Fahrer, die längere Gravel- und Bikepacking-Touren planen, ihr Setup verbessern oder sich trotz wenig Zeit auf neue Herausforderungen auf dem Rad vorbereiten möchten. Aktuell kooperiert er mit Optimize, Cyclite, M83 Gravelbikes, Currex

Social Media: YouTube, Instagram, Strava, Komoot

Referenzen: Frankfurter Rundschau, ARD, BILD, Echo, BA, Currex

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