Badlands 2024 – Mein Erfahrungsbericht und Tipps für das härteste Bikepacking-Abenteuer Spaniens
800 Kilometer, 16.000 Höhenmeter, glühende Hitze am Tag und eisige Kälte in der Nacht. Das ist Badlands! Ein Ultra Endurance Gravel Rennen durch die raue Wildnis Andalusiens, von den trockenen Wüsten der Gorafe bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Unsupported! Badlands ist mehr als ein Rennen. Es ist ein Abenteuer, das alles fordert: Ausdauer und die Willenskraft weiterzufahren, wenn alles in dir nach Pause schreit. Wer hier startet, fährt nicht nur gegen die Uhr, sondern vor allem gegen sich selbst. Auf der Strecke von Granada nach Almería warten endlose Anstiege, tiefe Schluchten und Landschaften, die zugleich schön und gnadenlos sind. Jeder Kilometer erzählt von Erschöpfung, Euphorie und der Suche nach dem eigenen Limit.
Vor dem Start
Für mich begann Badlands nicht in Granada am Start, sondern ein Jahr vorher. Schon die Bewerbung fühlt sich wie Teil des Rennens an. Man schreibt seine Motivation, wartet, zweifelt, hofft. Und als dann die Zusage kam, war klar, dass die eigentliche Vorbereitung jetzt erst beginnt.
Ich nahm mir vor, alles auf Badlands auszurichten. Das bedeutete Training, Testfahrten, Materialchecks und vor allem mentale Vorbereitung. Während andere den Winter über pausieren, startete ich mit Laufen, weil Radfahren bei Schnee und Eis nicht wirklich Spaß macht. Dann kamen viele Stunden auf der Rolle, über zehntausend Kilometer Indoor-Training in neun Monaten.
Das klingt verrückt, aber Badlands ist kein Event, das man einfach „mal so“ mitfährt. Es ist ein Selbstversorger-Abenteuer durch eine der schönsten und härtesten Landschaften Europas. Und wer dort nicht vorbereitet ist, lernt schnell, was Überforderung bedeutet.
Granada, Sonne und erste Zweifel
Als ich in Granada ankam, war ich müde. Eine Erkältung hatte mich erwischt, Husten, leichtes Fieber. Keine idealen Voraussetzungen. Ich kam drei Tage vor dem Start an und versuchte, mich auszukurieren. Diese Tage vor dem Rennen waren eine Mischung aus Anspannung, Vorfreude und Zweifel. Überall sah man Bikes, Fahrer, Geräusche von Ratschen, den Geruch von Kettenöl und Sonnencreme.
Am Startmorgen war die Stimmung elektrisierend. 37 Grad, kein Schatten, tausende Wattmeter Anspannung in der Luft. Ich traf einige bekannte Gesichter, checkte noch einmal alles durch, nahm einen letzten Schluck Wasser und rollte los hinein in ein Rennen, das man nicht wirklich planen kann.
Die ersten fünfzehn Kilometer gingen direkt bergauf. Fast tausend Höhenmeter. Der Puls schoss hoch, das Adrenalin auch. Viele starteten zu schnell, ich hielt mich zurück. Noch war die Luft warm, aber nicht brennend. Bald sollte das anders werden.
Die Wüste von Gorafe – Hitze, Sand und Schönheit
Irgendwo hinter Guadix beginnt die Welt, die Badlands wirklich ausmacht. Die Gorafe-Wüste. Goldene Hügel, rötliche Felsen, staubige Tracks, endlose Stille. Es ist ein Ort, der dich gleichzeitig fasziniert und zermürbt.
Ich hatte geplant, an einem Brunnen Wasser nachzufüllen, aber er war trocken. Der nächste ebenfalls. Plötzlich stehst du mit leeren Flaschen in 40 Grad Hitze. Kein Schatten, kein Wind, nur der Klang von Schotter unter Reifen.
Nach ein paar Kilometern kam der Punkt, an dem ich Gänsehaut bekam, bei 40 Grad… Kein gutes Zeichen. Herzfrequenz fiel, Körper rebellierte. Also anhalten, Salztablette, kurz Pause. Trinkration strecken.
Aber so brutal diese Stunden waren, so beeindruckend war die Landschaft. Diese Weite, dieses Licht, diese Farben. Ich erinnere mich an Momente, in denen ich einfach stehen blieb, um zu schauen. In der Ferne diese rotbraunen Schluchten, darüber ein Himmel, der fast kitschig blau war. Wenn man da mitten im Staub steht, versteht man, warum so viele von Badlands schwärmen.
Wenn die Sonne geht und die Kälte kommt
Als die Sonne sank, begann der zweite Teil des Spiels. Die Strecke kletterte auf über zweitausend Meter. Es wurde kalt, schnell. Ich war ultraleicht unterwegs, wie immer: kein Schlafsack, keine Jacke, nur ein dünnes Trikot und Shorts. Ich hatte bewusst auf alles verzichtet, was ich als „Ballast“ sah.
Das rächte sich ein wenig. In der Nacht wurde es bitterkalt. Ich konnte nicht anhalten, sonst wäre ich ausgekühlt. Also fuhr ich weiter. Hände taub, Atem sichtbar, Knie begannen zu schmerzen. Irgendwann verlor ich eine Flasche. Wieder weniger Wasser.
Wenn du mitten in der Nacht allein auf 2200 Metern Höhe fährst, frierst, müde bist und weißt, dass du noch 500 Kilometer vor dir hast, dann weißt du, was Badlands wirklich ist. Kein Rennen, sondern eine Prüfung. Und trotzdem; in diesen Momenten fühlte ich mich lebendig. Jeder Meter war Arbeit, aber auch Freiheit.
Im Flow bis Kilometer 440 – und dann das Gegenteil
Bis etwa Kilometer 440 lief alles erstaunlich gut. Ich war konzentriert, fit, sogar euphorisch. Eine Nachricht auf dem Radcomputer zeigte mir: Platz 29. Ich war überrascht, weil ich das gar nicht verfolgt hatte. Ich fühlte mich stark und dachte: Vielleicht Top 20, vielleicht mehr.
Dann kam die Ernüchterung. Die Kurbel wurde locker. Ich hielt an, suchte Werkzeug, nichts... In einem Self-supported-Rennen darf man keine Hilfe von außen annehmen. Ich hoffte, dass jemand, den ich kannte, mich erreichen würde, aber das passierte nicht. Also blieb nur warten.
Ich legte mich in ein Olivenfeld, ohne Schlafsack, ohne Matte. Die Bewässerungsanlage sprang mitten in der Nacht an. Alles nass. Ich lachte kurz, aber innerlich war die Luft raus. Am nächsten Morgen konnte ich das Problem in einer Werkstatt lösen, aber die Motivation war weg. Die Platzierung sowieso.
Von der Rennmentalität zur Tour
Ab da war mir klar: Ich fahre es zu Ende, aber nicht mehr auf Zeit. Ich wollte die Landschaft genießen, Bilder machen, einfach ankommen. Die Strecke führte weiter Richtung Küste, dann durch tiefe Sandfelder.
Mit 45-Millimeter-Reifen wurde das zur Geduldsprobe. Über Stunden schob ich das Rad durch weichen Sand, während ein perfekt asphaltierter Weg direkt daneben verlief, aber eben nicht Teil der Route war.
In diesen Momenten versteht man, dass Badlands keine Komfortzone kennt. Manchmal ist es einfach absurd. Du schwitzt, fluchst, lachst über dich selbst. Aber genau das ist der Reiz.
Ausrüstung und Minimalismus
Ich bin jemand, der minimalistisch unterwegs ist. Ultraleicht, aber nicht leichtsinnig. Ich hatte ein M83 Vagabund mit Pirelli Cinturato Gravel M Reifen in 45 mm Breite. Die Reifen sind ein solider Kompromiss: schnell genug auf Asphalt, stabil im Schotter, brauchbar im Sand. Trotzdem, für Badlands würde ich beim nächsten Mal breiter fahren.
Was ich gelernt habe: Ultraleicht funktioniert nur, wenn man die Konsequenzen akzeptiert. Weniger Gewicht heißt mehr Kälte, mehr Risiko bei Defekten, weniger Komfort. Dafür fühlt sich das Fahren direkter an. Jede Entscheidung zählt.
Für die Reifenwahl nutze ich inzwischen meinen Reifen-Finder, weil er dir hilft, anhand von Untergrund und Präferenz das passende Profil zu finden. Wer Badlands plant, sollte dort mal durchklicken. Die Auswahl ist groß, aber die Unterschiede sind unterwegs enorm spürbar.
Schlaf, Energie und kleine Pausen
Ich habe in der ersten Nacht gar nicht geschlafen, in der zweiten vielleicht zwanzig Minuten. Das ist nicht unbedingt vorbildlich, aber ich kenne meinen Körper und weiß, dass ich zwei Tage ohne Schlaf relativ gut funktioniere. Trotzdem: Wer neu dabei ist, sollte Schlaf fest einplanen. Auch kurze Pausen von einer Stunde können Wunder wirken.
Essen war ein ständiger Kompromiss. Restaurants waren oft leergekauft, viele kleine Läden hatten ungewöhnliche Öffnungszeiten. Meistens gab es belegte Brötchen oder Snacks aus dem Supermarkt. Kalorien zählen weniger als Regelmäßigkeit. Wer zu lange wartet, isst zu spät.
Das Spiel mit der Hitze
Tagsüber brannte die Sonne gnadenlos. Vierzig bis dreiundvierzig Grad, kaum Schatten. Ich trank fast vier Liter pro Abschnitt, manchmal mehr. Wasser findest du in kleinen Orten, manchmal an Tankwagen oder provisorischen Quellen. Trink regelmäßig, nicht erst, wenn du Durst bekommst.
Ich nehme immer Salztabletten mit, das hilft gegen Krämpfe und Kreislaufprobleme. Wenn du anfängst zu frieren bei Hitze, ist das kein gutes Zeichen. Dann sofort raus aus der Sonne, Schatten suchen, trinken, Ruhe.
Navigation, Regeln und Realität
Badlands ist ein „Unsupported Race“. Das heißt, du fährst eigenständig, keine Hilfe, keine Abkürzungen, keine externe Versorgung. Auch wenn ein schöner Asphaltweg neben dir verläuft, bleib auf dem Track!
Ich nutze Komoot in Kombination mit einem Garmin, dazu eine Powerbank und ein Backup-Kabel. Plane das Laden frühzeitig. Wenn du nachts ohne Licht dastehst, ist das kein Spaß.
Ich fahre mit einem Roadbook ausgedruckt, weil ich mir darauf Wasserstellen, Dörfer und Schlafpunkte markiere. So weiß ich grob, was kommt. Im Rennen wirst du müde, und der Kopf arbeitet nicht mehr so klar. Ein einfacher Plan funktioniert besser als ein perfekter.
Technik, Frust und Durchhalten
Meine Schaltung, eine Campagnolo Ekar, machte erneut Probleme. Das war schon beim Tuscany Trail ein Thema. Irgendwann war ich einfach genervt. Kassette locker, Freilauf unzuverlässig, Schaltvorgänge hakelig.
Seitdem bin ich auf Shimano GRX gewechselt, kein einziger Defekt mehr. Ich erwähne das, weil Materialentscheidungen in Badlands entscheidend sein können. Es geht nicht um Marken, sondern um Vertrauen. Was zu Hause leicht funktioniert, muss in Andalusien nicht halten.
Kopf, Körper und mentale Strategien
Badlands ist körperlich fordernd, aber mental noch härter. Es gibt Phasen, in denen man nur flucht, in denen nichts funktioniert, in denen man sich fragt, warum man das tut. Aber genau dort passiert das, was das Erlebnis ausmacht.
Ich habe gelernt, mit solchen Momenten umzugehen. Statt mich über Defekte oder Sand zu ärgern, akzeptiere ich sie als Teil des Spiels. Das ändert die Stimmung sofort. Wenn du Badlands fährst, musst du wissen: Du wirst leiden, aber du wirst auch lächeln.
Der letzte Tag und das Ziel
Die letzten Kilometer waren eine Mischung aus Erleichterung und Erschöpfung. Die Beine wollten nicht mehr, die Sonne brannte, der Kopf war leer. Als ich das Ziel erreichte, war alles ruhig. Kein Jubel, keine Bühne, nur der Gedanke: Geschafft.
Ich trank ein Bier, sprach mit anderen, sah das Staubmuster auf den Beinen, die Sonne auf der Haut. Platzierung war egal. Wichtiger war das Gefühl, angekommen zu sein. Was ich beim nächsten Mal anders machen würde?
Ich würde mir mehr Schlaf gönnen. Eine dünne Jacke mitnehmen. Breitere Reifen fahren. Und die Erwartungen an Technik und Logistik noch realistischer halten. Ansonsten nichts. Denn Badlands lebt von der Improvisation. Es ist kein Rennen, das man „perfekt“ fährt. Es ist eines, das man erlebt.
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Badlands ist körperlich und mental fordernd. Die Kombination aus langen Anstiegen, Sandpassagen, großer Hitze am Tag und Kälte in der Nacht macht das Rennen zu einem der härtesten Selbstversorger-Events Europas. Wer die 800 km schaffen will, braucht solide Vorbereitung, Ausdauer und mentale Ruhe.
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Ein stabiles Gravelbike mit breitem Reifenfreigang ist die beste Wahl. Reifen zwischen 45 und 50 mm funktionieren gut, da sie in Sand und auf rauem Schotter mehr Traktion bieten.
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In den Wüstenabschnitten solltest du mindestens drei bis vier Liter Wasser dabeihaben. Markiere Brunnen, Dörfer und mögliche Quellen auf der Karte, da nicht alle zuverlässig sind. Trink regelmäßig, nimm Salztabletten oder Elektrolyte gegen Krämpfe und plane Puffer ein.
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Jeder entscheidet selbst, wann und wo er schläft. Manche fahren durch, andere schlafen ein bis zwei Stunden pro Nacht. In den Bergen wird es kalt, daher lohnt sich ein leichter Biwaksack oder eine dünne Jacke. Schlafplätze findest du oft abseits der Route, etwa hinter Mauern oder in Olivenhainen.
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Eine solide Grundlagenausdauer ist entscheidend. Längere Gravel-Touren mit Gepäck helfen, sich an die Belastung zu gewöhnen. Neben Radtraining sind Kraft- und Stabilitätsübungen sinnvoll. Simuliere Hitze, fahre regelmäßig lange Tage am Stück und teste dein Setup im Vorfeld.
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Badlands ist extremer. Es gibt keine offizielle Unterstützung, keine festen Verpflegungspunkte und kein Zeitlimit. Das Event lebt von Selbstständigkeit und mentaler Stärke. Die Mischung aus Wüste, Gebirge und Meer ist einzigartig – kein anderes Gravel-Abenteuer in Europa bietet diese Vielfalt.
Fazit: Warum Badlands bleibt
Badlands ist hart, ehrlich, großartig. Es ist kein Event, bei dem man die Landschaft nebenbei konsumiert. Es zwingt dich, präsent zu sein. Jeder Kilometer zählt. Jede Entscheidung zählt.
Die Mischung aus Wüste, Bergen, Meer und Einsamkeit macht süchtig. Ich würde es wieder fahren, aber mit Demut. Badlands ist kein Gravel-Festival. Es ist ein Test. Für Material, für den Körper, für den Kopf. Und am Ende, wenn alles vorbei ist, bleibt etwas zurück, das man schwer in Worte fassen kann. Vielleicht nennt man es Zufriedenheit. Vielleicht auch einfach Ruhe. Badlands ist kein gewöhnliches Rennen. Es ist eine Erfahrung, die bleibt. Eine Prüfung aus Schweiß, Staub und Stille. Und vielleicht genau deshalb das, was Gravel wirklich bedeutet.